25 April 2014

Schottische Unabhängigkeit, na ja; Sezession: keineswegs.

Als Schotte ist es schwer Menschen in Deutschland zu vermitteln, dass schottischer Nationalismus nicht nur schlecht und auf keinen Fall eine rechtspolitische Angelegenheit ist. Im Fall der Ukraine gibt es viel mehr Verständnis dafür, dass die Idee der Nation als Ansporn dienen kann, um Gerechtigkeit zu fordern, um Missstände zu widerstehen.

"Work as if you live in the early days of a better nation",

um es mit Alasdair Grays Wörter zu sagen, der das Zitat vom Kanadier Dennis Lee hat.

Bei Schottland, so bald die Wörter "Nationalismus" oder "Unabhängigkeit" fallen, wird an Abgrenzung gedacht, an Konservatismus, eventuell an Rassismus. Ein Teilnehmer meines Englischunterrichts hat gespottet, dass Schottland "die Sezession" vom restlichen Vereinten Königreich bekommen möchte. Semantisch gesehen hat er ja recht: auf einem Teil der schottischen Bevölkerung gedacht, zumindest.

Leider ist "Sezession" auch der Titel einer zweimonatlichen Zeitschrift der neuen Rechten. Mit solchen Leute möchte ich so gar nichts zu tun haben, dass ich mich verpflichtet gefühlt habe, diese Aussage laut und unmissverständlich auf diesem Blog zu machen.

Ich las zum ersten Mal ins Detail über diese Leute, die neue Rechten, in der Drückausgabe von Die Zeit (vom 24.04.2014). Mir graut es nun zu wissen: Deren Bestrebung ist es nicht mehr, das politische Mainstream zu beeinflussen, sondern einer Abkopplung von der Reste der Gesellschaft zu vollziehen. Die Schöpfung einer parallelen, rechten Gesellschaft. Eine Sezession, eben. Gibt's ein einzigen Schriftsteller, der eine schrecklichere Dystopie ausdenken könnte?

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